Abklärungen zu einem Militärflugplatz Grenchen

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Ein Vierteljahrhundert nach der 1931 erfolgten Gründung des Flugplatzes Grenchen wurde im Sommer und Herbst 1956 eine Weichenstellung eingeleitet mit enormer Tragweite für die weitere Entwicklung des Flugplatzes und der ganzen Region Grenchen: Die Schweizer Armee wollte Grenchen zu einem Militärflugplatz machen. Am 22. Juni 1956 traf sich eine hochkarätige Delegation auf dem Flugplatz zu einer Besprechung. Unter dem Vorsitz von Regierungsrat Otto Stampfli, seines Zeichens Mitglied des Verwaltungsrats der Regionalflugplatz Jura Grenchen AG, trafen sich Vertreter der Fliegertruppe und der Stadt Grenchen. Brigadier Walter Burkhard, Direktor der Militärflugplatz sowie Major Buchli, dann die Gemeinderäte Albert Allemann, Fritz Grimm und Karl Ris, ebenfalls anwesend war Flugplatzchef Walo Beier sowie M. Maumary, Sekretär des kantonalen Verkehrs-Departements. Die Verteter des Militärs stellten das Projekt vor. Primär sollte Grenchen für das individuelle Training der Militärpiloten dienen, die im Raum Mittelland, Bern, Biel und Solothurn zu Hause sind, um die Plätze Dübendorf und Payerne zu entlasten. Zudem sollten gelegentlich auch Trainingskurse für ganze Fliegerstaffeln durchgeführt werden. Der Flugplatz sollten einen gemischten zivilen und militärischen Betrieb aufweisen, wie dies beispielsweise in Sitten und Locarno-Magadino bis heute der Fall ist. Das Bauprojekt, das zwischen dem Eidgenössischen Luftamt und der Direktion der Militärflugplätze ausgearbeitet worden ist, sah eine Piste von 2000 m Länge und 40 m Breite vor. Das Militärgelände mit einer rund 100 m langen Flugzeughalle und einer Abstellfläche von 175 x 40 m wäre östlich des Mattenhofs der Familie Kobi zu liegen gekommen und hätte bis über den Giglerbach hinaus gereicht. Der zivile Teil des Flugplatzes liegt an der heutigen stelle. Die Piste wäre Richtung Altreu bis zum östlichen Arm des Aare-Bettlerank hinaus zu liegen gekommen. Die Kantonsstrasse von Grenchen nach Arch sollte mit einer Barriere gesichert werden. Aus dem Protokoll ist ersichtlich, dass sich der Gemeinderat bereits seit einiger Zeit ernsthaft mit dem Ausbau des Flugplatzes, besonders dem Bau einer Hartbelagspiste, befasste. Befürchtungen hatten die Gemeindevertreter aber wegen der Uhrenindustrie, deren Arbeit unter keinen Umständen durch den Flugbetrieb gestört werden dürfe. Brigadier Burkhard schlug in der Folge vor, dass mit dem Venom, damals der neuste Kampfjet, in Grenchen Flugversuche gemacht werden, damit sich die Gemeindevertreter ein Bild von den Lärmimmissionen machen können. In der Folge wurden die Versuche durchgeführt, und, soweit den Akten zu entnehmen ist, zeigten sich die Grenchner befriedigt vom Resultat. Zum Schluss der Sitzung setzte Regierungsrat Stampfli noch Druck auf: Der Kanton Solothurn werde sich für einen Ausbau des Flugplatzes Grenchen für die rein zivilen Bedürfnisse nicht mehr einsetzen, wenn sich die Gemeinde Grenchen gegen die gleichzeitige Schaffung eines militärischen Trainingsplatzes aussprechen sollte. Nach seiner Ansicht biete sich für die Stadt Grenchen eine einmalige Gelegenheit, den Flugplatz in Verbindung mit dem Militär so auszubauen, dass für den Sport- und Touristikverkehr etwas Gefreutes entstehe und Grenchen endlich über einen Flughafen verfüge, wie er vom wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Standpunkt aus erwünscht sei. Der Gemeinderat Grenchen behandelte am 21. September 1956 das Geschäft über den Ausbau des Flugplatzes[1]. Der Waffenchef der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, Divisionär Etienne Primault, unterbreitete dem Eidgenössischen Militär-Departement am 29. September 1956 die Eingabe über den Ausbau des Grenchner Flugplatzes. Enthalten war auch ein Vertragsentwurf, der in elf Artikeln die Einzelheiten der Mitbenützung durch das Militär regelt. Im Zentrum stand die Aufteilung der Kosten, die beim Landerwerb nach dem Nutzen des Ausbaus geregelt wurden. Den grossen Brocken, die Kosten für die Tiefbauten und somit für Piste, Rollwege, Pistenbefeuerung und anderes mehr wollte der Bund mit 60% tragen; den Rest sollten sich der Kanton, die Stadt Grenchen sowie die Flugplatzhalterin teilen. Divisionär Primault erwähnte in seiner Eingabe an das EMD, dass 50 Militärpiloten aus der Umgebung Bern mit der Aufgabe des Flugplatzes Thun auf Ende 1955 ihren Trainingsort nach Emmen und Payerne verlegen mussten. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Zahlen der Flugbewegungen, die Primault für die drei wichtigsten Trainingsplätze auf den Tisch legte: Für das Jahr 1955 wurden in Dübendorf 20'686 Landungen gezählt, für Emmen 11'845 und Payerne 13'547. Die Schaffung eines weiteren Trainingsplatzes müsse, so Primault, für die am stärksten belegten Plätze Dübendorf und Payerne Erleichterung bringen. Der Waffenchef der Flieger- und Flabtruppen unterstrich, dass Grenchen durch die zentrale Lage im Einzugsgebiet Mittelland sowie der Städte Bern und Basel für die militärischen Bedürfnisse sehr gut geeignet sei. Auch zum Lärm äusserte sich der Fliegerchef: „Die Lage des Flugplatzes, in Richtung der Talmulde und in wesentlicher Entfernung vom Weichbild Grenchens längs der Aare gelegen, lässt auch eine Beeinträchtigung der grösseren Orte der Umgebung durch Flugzeuglärm nicht erwarten“, schrieb Primault. „Durchgeführte Flgversuche mit Venom-Flugzeug haben dies, in Anwesenheit von Flugplatz- und Gemeindevertretern, bestätigt.“ Die Gesamtkosten für das Ausbauprojekt inklusive der 2000 m langen Piste bezifferte der Divisionär auf rund 8.3 Mio. Fr. Zentrales Thema war natürlich die Länge der Piste: Gemäss dem Luftamt waren für die zivilen Bedürfnisse 1100 m vorgesehen, das Militär benötigte aber 2000 m. Der Chef des Eidgenössischen Militär-Departements, Bundesrat Chaudet, nahm am 22. November 1956 Stellung zu der Eingabe der Fliegertruppe. Er erklärte sich in einem Schreiben an die Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr grundsätzlich damit einverstanden, dass weitere Verhandlungen geführt werden mit Kanton, Gemeinde und Flugplatzhalterin. Bundesrat Chaudet tendierte aber in die Richtung der Schaffung eines Militärflugplätzes, der von zivil mitbenützt werden könnte. Er verwies auf die Schwierigkeiten in Sitten, die sich dort mit der Regelung des zivilen und militärischen Flugdienstes ergeben haben: „Es sollte daher zum mindesten der Versuch gemacht werden, abzuklären, ob nicht in erster Linie ein Militärflugplatz geschaffen werden könnte mit der Mitbenützung durch den Zivilflugdienst“, schrieb Bundesrat Chaudet, „eine Lösung, wie solche auf einzelnen Militärflugplätzen bereits besteht und unseres Wissen auch reibungslos funktioniert.“

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Grenchen

Quellen[Bearbeiten]