Flugplatz Obergrenchenberg

Aus Hangar31
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Mit einem Absturz kam das Aus

Genau an der Absturzstelle erinnert ein grosses Holzkreuz an das Schicksal von Eduard Daumüller und Konrad von Burg.

Im Gelände sieht man es noch, aber viele wissen es nicht mehr: Der Regionalflughafen Grenchen besass auf dem Obergrenchenberg eine Dependance: Ein Gebirgsflugplatz auf rund 1350 m. ü. M auf der Weidefläche hinter der Wandfluh, der ab 1948 viele Landungen von Leichtflugzeugen sah. Das jähe Ende kam 1964, als zwei Menschen bei einem Startunfall ihr Leben verloren.

Dass nicht nur zur Fasnachtszeit spitze Pfeile zwischen den beiden Nachbarstädten Solothurn und Grenchen abgeschossen werden, ist sattsam bekannt. Weniger aber, dass sogar um Flugzeuglandungen auf dem Weissenstein oder Grenchenberg gestritten wurde. Im Bürgerrat der Bürgergemeinde Grenchen kam es zu einer Flugplatz-Diskussion, als der bekannte Grenchner Pilot Otto Sallaz am 20. Juni 1947 nicht mit dem Auto zur Gabenholzabnahme auf den Obergrenchenberg kam, sondern mit dem Flugzeug. Im Rat wurde daraufhin angeregt, „dort oben einen Flugplatz einzurichten.“ Und dann kam der spitze Pfeil: In Solothurn käme es fast alle Tage zu Landungen auf dem Weissenstein, der Flugplatz auf dem Obergrenchenberg müsse aber als der schönere anerkannt werden! Der Bürgerrat beschloss noch an der gleichen Sitzung einen Kredit von 700 Fr., um das Gelände zu ebnen. Flugveranstaltungen auf dem Obergrenchenberg wurde als einen Vorteil für den Pächter des Berghofes angesehen, ebenfalls dürfte dies „der Gemeinde sicher zur Ehre gereichen.“

Es dauerte aber noch seine Zeit, bis das erste Flugzeug offiziell landen konnte. Oberförster Anton Cadotsch (dem zu Ehren der Gedenkstein an der neuen Bergstrasse steht), Flugplatzchef Men Zisler und Otto Sallaz steckten den Platz am 11. März 1948 aus. Das Areal umfasste 40 mal 400 Meter und wurde mit dem von der Bürgergemeinde zur Verfügung gestellten Kredit planiert. Diese Arbeit führte die Familie Lengacher aus, die den Obergrenchenberg damals bewirtschaftete. Am 11. Mai 1948 landete Otto Sallaz mit Flugschüler Albert Fröhlicher zum ersten Mal auf dem neuen offiziellen Flugplatz. Das Flugzeug war die Piper J3C mit der Registrierung HB-OUS, die noch heute auf dem Flughafen Grenchen stationiert ist. Am 15. Mai 1948 fand die Einweihungsfeier statt: Adolf Schild, Präsident des Aero-Clubs Grenchen und schon 1931 der Gründer des Grenchner Flughafens, übergab den Gebirgslandeplatz seiner Bestimmung.

Gästebuch ist erhalten

Der Flugplatz Obergrenchenberg war eine „Sackgasse“: Aufgrund der Topografie konnte er nur aus westlicher Richtung angeflogen werden. Der Start musste dann auch wieder entlang dem leicht abfallenden Gelände Richtung Westen ausgeführt werden. Wer einmal dort gelandet war, verewigte sich im Gästenbuch, das im Restaurant aufbewahrt wurde und das heute im Grenchner Stadtarchiv gehütet wird. Die Einträge zeugen von der guten Stimmung, die nach einer Landung „auf dem Berg“ geherrscht haben muss. Am 1. August 1948 schrieb Otto Büttiker, legendärer und langjähriger Wirt auf dem „Türk“ zu Solothurn und Fluglehrer: „Von Wirt zu Wirt lass Dich ruhig nieder, ein guter Wein stärkt alle Glieder.“ Oder im Wahljahr 1953 versammelten sich die Jungliberalen am 27. September zu einem Bergtreffen, zu dem Otto Sallaz und Walter Nussbaumer mit dem Flugzeug kamen, die 14 anderen aber, wie es im Gästebuch heisst, zu Fuss…. – Auch der Linienpilot und spätere Kantonsrat Jean-Pierre Desgrandchamps hat mit einer Winterlandung am 24. Januar 1963 einen Eintrag mit Foto hinterlassen.

Nicht jeder Pilot durfte auf dem Obergrenchenberg landen. Der Vorstand des Aero-Clubs Grenchen beauftragte Flugplatzchef Men Zisler, mit der Erteilung von Landebewilligungen vorsichtig zu sein. Das Gelände, die Windverhältnisse sowie die der Höhe wegen geringere Luftdichte erforderten grosse Vorsicht.

Der Absturz und das Ende

Das Ende des zweiten Grenchner Flugplatzes kam nach 16 Betriebsjahren rasch und unerwartet. Am Samstag, 23. Mai 1964, um 16.40 Uhr startete der 34-jährige Bettlacher Pilot Eduard Daumüller mit seinem fast 24-jährigen Schwager Konrad von Burg als Passagier zum Rückflug nach Grenchen. Mit dem zweiplätzigen Flugzeug Jodel D-112 HB-SUB nützte er bei Rückenwind nicht die ganze mögliche Piste aus, kam nur zögerlich weg, berührte nach dem Pistenende nochmals den Boden. Im Flugunfall-Schlussbericht heisst es dann: „Knapp schleppt es sich über die kleine Mauer und über die drei Leitungen. Dann gelangte es an die erste Tannengruppe. Hier kappt es den Wipfel einer Tanne, der sich am Bug verfängt. Nun geht es in den Sinkflug über. 70 Meter weiter vorne stösst es bei der zweiten Tannengruppe auf vier Meter Höhe gegen eine Tanne mit einem Durchmesser von 15 cm an der Aufschlagstelle. Nun stürzt es vornüber zu Boden, wo es sofort Feuer fängt und ausbrennt.“ Der Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission wurde am 11. November 1964 verabschiedet. Der Gemeinderat der Bürgergemeinde wartete nicht so lange ab: Schon am 2. Juni 1964 beschloss er, also knapp zwei Wochen nach dem Unfall, dass das Landen auf dem Obergrenchenberg untersagt wird. Dies sei der Flugplatzdirektion zu eröffnen und die bestehenden Markierungen müssten sofort entfernt werden, heisst es im Protokoll. Heute erinnert noch das einigermassen ausgeebnete Gelände an den ehemaligen Flugplatz; zudem steht ein Kreuz an der Absturzstelle, das von der Bürgergemeinde Grenchen gut unterhalten wird. Ebenso bestehen noch einige Filmsequenzen sowie das erwähnte Gästebuch. Aber sonst hat sich der Nebel des Vergessens über dieses ungewöhnliche Kapitel der Grenchner Luftfahrtgeschichte gesenkt.

Quellen

(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)