Marco Tettamanti, erster Passagier des ersten Grenchner Flugzeugs

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Metzgerhalle-Wirt und Flieger Marco Tettamanti mit seiner Frau Elsa und der damals 27-jährigen Elsa Jufer-Tettamanti bei einem Familienfest im Jahr 1957.
Ankunft der De Havilland DH-60 Moth in Grenchen am 12. April 1931 mit Ernst Knab und Marco Tettamanti.
Bordbuch des ersten Grenchner Flugzeugs mit dem Eintrag des Passagiernamens.

Im Grenchner Stadtarchiv liegt eines der wertvollsten Dokumente der Grenchner Luftfahrt. Es ist das Bordbuch des ersten in Grenchen stationierten Flugzeugs, das die eidgenössische Registrierung CH-220 trug. Als sich einige initiative Grenchner im Frühjahr 1931 an die Arbeit machten, den Flugplatz zu gründen, musste natürlich auch ein Flugzeug beschafft werden. Die Wahl fiel auf einen Typ aus England: Ein Doppeldecker der renommierten Flugzeugbaufirma De Havilland. Diese Firma, die nach dem Zweiten Weltkrieg übrigens mit dem Vampire und dem Venom die ersten beiden Jetkampflugzeuge der Schweizer Luftwaffe lieferte, war damals noch im Londoner Stadtteil Stag Lane ansässig.

Ernst Knab war der erste Grenchner Pilot und Fluglehrer. Er bekam den Auftrag, das Flugzeug mit der Typenbezeichnung DH-60 Moth von London nach Grenchen zu überfliegen. Mit „Passagier M. Tettamanti“ flog er via Paris und Basel in mehreren Etappen zum neu eröffneten Flugplatz , um den freudig wartenden Uhrenstädtern ihr erstes Flugzeug zu überbringen. Am 12. April 1931 konnte die „fliegende Ankunft“ der beiden Grenchner Flieger bejubelt werden. Dieser Transferflug ist fein säuberlich dokumentiert im Flugreisebuch der CH-220.

Wer war aber dieser Passagier Tettamanti? Wie damals üblich, wurde in Protokollen und Dokumenten selten der Vorname ausgeschrieben. So war immer unklar, wer dieser Tettamanti war und warum ausgerechnet er als Passagier ausgewählt worden war. Wer die Grenchner Geschichte kennt, weiss aber, dass es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Bauunternehmen namens Tettamanti gab. Diese Familie stammte es Cavallasca, einem kleinen Dorf bei Como, also unweit der Schweizer Grenze. Josef Tettamanti kam als erster nach Grenchen, musste aber als ältester Sohn einer Grossfamilie mit fünf Söhnen und zwei Mädchen während des Ersten Weltkriegs in seine Heimat zurückkehren.

Nach dem Krieg kam Josef Tettamanti zurück nach Grenchen und gründete das Baugeschäft, zuerst zusammen mit Geschäftspartnern, dann im Alleingang. Später folgten ihm seine beiden jüngeren Brüder Emanuele und Marco nach Grenchen. Emanuele arbeitete als Polier im familieneigenen Bauunternehmen, während Marco Tettamanti als Wirt des Restaurants Metzgerhalle tätig wurde.

Genau dieser Marco Tettamanti war der Passagier auf dem Flug von London nach Grenchen. Marco Tettamanti wurde 1891 in Cavallasca geboren und war im Ersten Weltkrieg Pilot bei der italienischen Armee. Als italienischer Pilot war es Tettamanti auch gewohnt über dem Meer zu fliegen. Die war der Grund, warum der Metzgerhalle-Wirt auf dem Flug dabei war. Ernst Knab hatte als Schweizer Militärpilot keine Erfahrung mit einer Meeresüberquerung. Tettamanti, der das Brevet für das „Fliegen über Wasser“ besass, konnte also bei der Überquerung des Ärmelkanals bestens aushelfen.

Marco Tettamanti kaufte im Jahr 1925 das Haus an der Solothurnstrasse 94, wo er am 24. Dezember 1966 verstarb. Er war verheiratet mit der Grenchnerin Elsa Zemp, die 1958 ihrem Mann im Tod vorausgegangen war.

Quellen[Bearbeiten]

  • Text von Peter Brotschi
  • Die Angaben über Marco Tettamanti stammen von seiner Nichte Elsa Jufer-Tettamanti, die 1930 geborene Tochter von Emanuele Tettamanti.

(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)